Wiege des Fastfoods - alexanderbolz-film

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Wiege des Fastfoods

Exposés für Dokumentarfilme

(c) Alexander Bolz - Film.Verlag.Medien
Dokumentarfilm / ca. 45min. / HDCam / Format: 16:9 / Farbe
(Realisierung noch offen)

Dokumentarfilm
„Italien – Wiege des Fastfoods“



Eine kulturelle Entdeckungsreise,
in der sich die gesellschaftliche Gegenwart des Landes spiegelt.

Wir kennen es alle; es ist Teil unseres Alltags. Fastfood ist ein städtisches Phänomen. Es resultiert aus arbeitsteiliger Gesellschaft, Individualisierung und langen Wegen zwischen Wohnung und Arbeitsplatz.
Wer verbindet mit Fastfood nicht sogleich die Troika: McDonalds, Hamburger, Amerika. Anonyme Bürohäuser, hetzende Menschen, kurze Mittagspause. Der Grund ist, daß wir Fastfood in der Regel fälschlicherweise für eine Erfindung der modernen Welt halten.  Aber Fastfood gibt es seit 2000 Jahren; die Römer haben es erfunden, als sie von Bauern zu Städtern wurden.

Wir gehen auf Entdeckungsreise! – Der Film zeigt die Wurzeln des Fastfoods anhand der Garküchen in den Ruinen von Ostia vor den Toren Roms.
Die Hafenstadt Ostia war ein Handelszentrum, in dem sich Menschen aus aller Herren Länder tummelten. Siebzig Reedereien aus dem gesamten Mittelmeerraum sind archäologisch eindrucksvoll nachgewiesen. Sie versorgten die antike Millionenstadt Rom. Die Bevölkerung war kosmopolitisch. Sie bestand aus Matrosen, Kaufleuten, Handwerkern, Beamten und Bürgern, und die kannten ihn gut: den schnellen Mittagstisch.
Das Thermopolium, die Garküche, läßt sich an ihrer funktionalen Einrichtung noch heute auf den ersten Blick erkennen: Tresen mit tönernen Warmhaltebecken, Regale für Geschirr und Flaschen, Wandmalereien mit Wirtshausszenen sprechen noch nach zweitausend Jahren eine lebendige Sprache!

Das antike Rom ist untergegangen, aber was ist aus dem Fastfood der Römer geworden? Wie sieht der schnelle Mittagstisch aus im Italien von heute, wo die Büroarbeit bis 20 Uhr dauert?
Da gibt es längst keine ‚Mama’ mehr, die daheim mit den dampfenden Spaghetti wartet auf die Heimkehr der Familie. Die Gegenwartsgesellschaft Italiens ist individualisiert wie alle modernen Gesellschaften. Die Verkäuferin wird von niemandem erwartet, wenn sie abends den Wohnungsschlüssel umdreht; der Büroangestellte hat keine Lust, nach einem langen Arbeitstag noch einzukaufen, um daheim einsam den Kochlöffel zu schwingen.

Ist la cucina italiana also zum Untergang verurteilt? Wird sie verdrängt vom globalisierten Einheitsbrei à la McDonalds und Burger King?
Längst haben sie ihre fettigen Netze ausgeworfen über Rom. Ihre ewig gleichen Läden finden sich heute überall. Die Globalisierung schickt sich an, die Ewige Stadt auf Kurs zu bringen.
Doch was ist mit den Italienern? Sind sie brave Bürger der neuen Zeit? Zieht es sie zu Hamburger und Coca Cola?

Hierzulande glauben wir häufig, weltweite Uniformität sei schicksalhaft. Der Film wird zeigen, daß dies in Italien nicht der Fall ist, weil es dort eine lebendige Tradition gibt. Sie wird gespeist aus der kulturellen Eigenart Italiens; unverwechselbar und einzigartig ist sie Quelle und Ausdruck zugleich. Dort legt man Wert auf Geschmack und Qualität.

Nachdem wir die antiken Garküchen in Ostia besucht haben, sehen wir eine bestimmte Anzahl Garküchen in der modernen Großstadt Rom. Auswahl und Zusammenstellung der Motive ergeben ein Kaleidoskop der italienischen Gesellschaft. Am Spiegel der Eßkultur des schnellen Mittagstisches wird deutlich, wie sich die kulturelle Eigenart in der Gegenwart fortsetzt. Der Film zeigt ein lebendiges Rom, das sich auf erfrischende Weise der faden Vereinheitlichung durch die Globalisierung entzieht.

Wir finden die Italiener z. B. im fensterlosen Hinterzimmer einer unscheinbaren Bar unter den prächtigen Arkaden der Piazza Vittorio Emanuele, mitten im Herzen von Rom, nur ein paar Schritte von ihrem Büro, wo zwischen zwölf und zwei wie von Zauberhand urplötzlich Platten auftauchen mit Köstlichkeiten, nach denen man sich die Finger leckt. Da gibt es keine Speisekarten und keine Kellner, keinen Supersize und keinen Geschmacksverstärker, keine dürren Pommes, die nach Pappe schmecken, und keine Cola, in der unsichtbar die Eiswürfel klacken.
Hier brodelt das Leben! Wir treten ein. Über Steinstufen geht es hinab ins Dunkle, dem Stimmengewirr folgend, unterbrochen vom scharfen Zischen der Espressomaschine. Dann steigt uns ein wunderbarer Duft in die Nase. Man folgt einer Stimme, die einlädt, näher zu treten, um aus der Vielfalt der Köstlichkeiten auszuwählen, die ein breiter Glastresen bietet.
Um halb drei ist all das vorüber. Wer jetzt die Bar betritt,  kommt nicht auf die Idee, hier - in einem finsteren Abstellraum - einen turbulenten, schnellen Mittagstisch zu erwarten.

Und es gibt ihn überall in Rom. Überall kann hier ein Wunder geschehen! In jeder Gasse kann man sie finden, diese verborgenen Orte, wo es keine bebilderten Leuchtspeisekarten über dem Counter gibt; Orte, auf die für gewöhnlich kein Tourist stößt.

Via Volturno, im Zentrum der Stadt, beim Bahnhof. Eine schmutzige Straße. Busse dröhnen. Nutten stehen gelangweilt am Bordstein. Hier finden wir in einem schmierigen Laden die Straßenhändler aus Äthiopien und Somalia. Hektisch essen sie ihre Bohnen. Ein scheuer Blick über die Schulter. Sie sind illegal in Rom. Den beiden Brüdern, Roberto und Massimo, die diese Garküche seit gut zwanzig Jahren betreiben, ist das gleichgültig. Das läßt sich aus der Geschichte Roms herleiten. Seit zweitausend Jahren erleben die Römer unaufhörlich Invasoren, Sklaven und Besatzer. Sie wissen, die Fremden kommen und gehen, wie zuvor die Barbaren und später die deutschen Besatzer und die amerikanischen Befreier. Eine Viertelmillion Immigranten leben in der Stadt. Roberto reicht einem Somali eine Aluschale mit Fleischbrocken und Knochen in Soße. Aus dem Fernsehgerät über dem Tresen plärrt eine Daily-Soap...

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort: Eine Bar in der Nähe der Via del Corso. Es gibt sie seit über 200 Jahren. Vielleicht saß Goethe an einem der Tische. Er wohnte nur ein paar Häuser weiter. Wir fragen Giuseppe, den steinalten Kellner. Er bedient hier solange er denken kann. Aber diskret wie er ist, antwortet Giuseppe nur mit einem Lächeln.
Heute essen hier bei gedämpftem Licht die Rechtsanwälte der umliegenden Kanzleien bei einem Glas Chianti ihre Antipasti...

Der Film ist eine Gesellschaftsstudie in Essayform, keine Geschichtsdokumentation.
Als Autor und Regisseur kenne ich Stadt und Menschen seit 30 Jahren.



 
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