Papas liebstes Kind - alexanderbolz-film

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Papas liebstes Kind

Exposés für Dokumentarfilme

(c) Alexander Bolz - Film.Verlag.Medien
Dokumentarfilm / ca. 45min. / HDCam / Format: 16:9 / Farbe
(Realisierung noch offen)

Dokumentarfilm
„Papas liebstes Kind reist ins Morgenland"
Die geheimnisvollen Wege deutscher Gebrauchtwagen in den Libanon


Und er läuft und läuft und läuft...

Eine Million Neuzulassungen jährlich, das sind die Zahlen; doch wo bleiben all die Wagen, die ausgesondert, verkauft, abgestoßen werden? Wer lebt davon, sie am Leben zu erhalten? -
Sicher, auch hierzulande fahren eine Menge Gebrauchte herum, aber was ist mit den unzähligen Wagen, denen das strenge Auge des TÜVs nur noch die Fahrt auf den Schrottplatz vergönnt?

Sie stehen auf Hinterhöfen, Abstellplätzen, verlotterten Garagen, runtergekommenen Tankstellen.
„Fahrbereit“, wie Henning sagt. Seine Hände sind ölverschmiert; er hat bis jetzt geschraubt. Gelernt hat er den Job nicht; jedenfalls nicht offiziell mit Lehre, Gesellenbrief, 40-Stunden-Woche, Urlaubs- und Rentenanspruch.
Es ist halb zehn Uhr abends. Henning trinkt sein Feierabendbier.
„An wen verkaufst Du?“, frage ich, „an Bekannte aus der Gastro, Studenten usw...“ als Antwort erwartend, um mit „Alles Export!“ überrascht zu werden. Henning bläst den Rauch seiner Zigarette aus und nimmt noch einen Schluck Becks aus der beschlagenen Flasche.
„Export?! – Ah ja, also nach Polen und Russland...?!“

Doch mit Schrottautos läuft in Polen schon lange nichts mehr, erfahre ich. Polen und Russen sind heute nur noch an hochwertigen Fahrzeugen interessiert.

„An wen verkaufst Du die Kisten also?“
„Libanon“, sagt Henning, „geht alles in den Libanon.“
Die Händler aus dem Libanon reißen sich um die Schrottautos, denn Bewegung ist angesagt und Luxus wie Verkehrssicherheit und Umweltfreundlichkeit kann sich dort niemand leisten.

Man kennt sich. Wenn bei Henning etwas reinkommt, was sie wollen – und nur das kauft er! - ruft er bei den Händlern in Hamburg an und schon stehen sie bei ihm auf der Matte.
„Zur Zeit sind Japaner angesagt. Toyota geht gut, aber 4-türig müssen sie sein; und dunkle Farbe. Einen weißen Golf kann ich vielleicht nach Dänemark verkaufen, aber nicht in den Libanon.“

Hier geht es weder um große Fische, noch um große Profite. 600,- € bringt der „fahrbereite“ Japaner, den Henning für 200,- € gekauft und fertig gemacht hat. Wollte er ihn durch den TÜV bringen, um ihn hier zu verkaufen, müsste er gut 400,- bis 500,- € in Ersatzteile investieren und könnte ihn dann auch nur für 1.000,- € verkaufen. Dafür hätte er die gesetzliche Gewährleistung von 2 Jahren am Hals und der Kunde käme natürlich mit jedem Mist angelaufen, der nun einmal bei einem alten Auto zwangsläufig anfällt.
„Da unten haben die ein anderes Verhältnis zu diesen Dingen. Die Wagen müssen mit ‚Bordmitteln’ am laufen gehalten werden; auf Schnickschnack wird kein Wert gelegt. Und wenn die Kiste 2 l Öl auf 100 km braucht, dann braucht die das eben; hier würden die Dir den Kopf abreißen.“

Wir besuchen den Schrotthändler, der von solchen Geschäften lebt. Er macht die „Kiste fahrbereit“, verkauft sie dem libanesischen Kontaktmann und der verschifft sie nach Nahost.
Wir begleiten den Wagen in den Hamburger Hafen, von wo aus er die Reise per Schiff in den Libanon antritt. Eine nicht ungefährliche Seereise. So mancher Wagen ist nicht mehr fahrbereit, wenn er seinen Bestimmungsort erreicht...

Die Seereise dauert ca. 2 Wochen. In der Zeit werden die Wagen nicht selten an Bord zerlegt, d.h. alles, was Geld bringt, wird abmontiert und verschwindet. Dann kommt wirklich nur noch Schrott an. Um das zu verhindern, werden alle wertvollen Kleinteile ausgebaut und im Kofferraum eingeschlossen. Und zugeschweißt. Gut ist, den Matrosen ein kleines Schutzgeld zu zahlen oder wenn bekannt ist, dass der Empfänger im Libanon keinen Spaß versteht, wenn seine Autos nicht so ankommen, wie sie eingeschifft wurden...

Wir begleiten den Wagen auf seiner Schiffsreise bis Rotterdam, Amsterdam oder Liverpool und fliegen anschließend nach Beirut, wo wir den libanesischen Empfänger treffen; natürlich einen Verwandten des Hamburger Händlers, denn in diesem Gewerbe geht alles über Familienbande. Gemeinsam erwarten wir die Ankunft des Schiffes und treffen auf den „stolzen“ neuen Besitzer, der einfach einen fahrbereiten Untersatz braucht. Und wir erleben ein lebendiges Land, in dem sich alles bewegt, was hierzulande längst zum alten Eisen gehört...

...und er läuft, und läuft, und läuft...

Und wer hätte gedacht, dass unser liebstes Kind an seinem Lebensabend noch eine spannende Reise ins Morgenland antritt...

Drehorte sind eine Garage in Norddeutschland, Berlin, der Hamburger Hafen, die Schiffsreise auf einem Autofrachter bis zu einem der nächsten europäischen Häfen und Beirut oder ein anderer Bestimmungsort im Libanon.



 
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